In Vertretung für die verhinderte Mina Ahadi sprach gestern Nazanin Borumand vor etwa 40 Interessierten über die aktuelle Situation in Iran sowie die Aufgaben und Ideen des Zentralrates der Ex-Muslime. Das gleich vorab: Frau Borumand vertrat nicht nur die verhinderte Mina Ahadi sehr gut, sondern auch die Ideen des Zentralrates.
Sie gab einen kurzen, aber sehr persönlichen Bericht über die Zeit in und nach der Revolution in Iran (1979) und erklärte, weshalb sie mit 19 Jahren (1985) das Land verließ; verlassen musste: es wurde ihr unter der rigiden religiösen Herrschaft des Mullahregimes unerträglich. “Ich habe keine Luft mehr bekommen”, sagte sie wörtlich.
Eingehend auf die Situation in Iran nach der Wahlfälschung des Sommers sagte sie, dass es seit dieser Zeit für Gegner des Regimes einfacher wäre, Gehör und Öffentlichkeit zu finden. Was aber (leider) nicht bedeutet, dass es politische Unterstützung für die Freiheitsbestrebungen des iranischen Volkes gibt. Denn dagegen stehen, zumal in Deutschland, nicht unerhebliche wirtschaftliche Interesse. Die deutsche Regierung verweigert sich jeglicher Diskussion mit den Unterstützern der “grünen Revolution” in Iran.
Als ich Mitte Januar Mina Ahadi kennenlernte, kam sie gerade von einem solchen erfolglosen Versuch, im Bundestag Gehör zu finden. (siehe hier und hier) Das wäre – so Nazanin Borumand – eine Schande für ein demokratisches Land. Denn es hat den Anschein, als gelten die universellen Menschenrechte nur für die eigene Bevölkerung, nicht jedoch für Menschen in anderen Ländern.
Auch die Medien verbergen mehr als sie aufklären. Berichtet werde – so Frau Borumand – wenn überhaupt über den Atomstreit; aber nicht über die permanenten Menschenrechtsverletzungen im Land.
Später antwortete sie auf eine Frage, ob es denn eine politische Partei in Deutschland gäbe, die für die Belange des Zentralrates aufgeschlossen wäre: “Die Parteien haben kein Interesse. Weder an der Menschenrechtssituation in Iran noch am Verein.“
Sie sprach auch über das gerade wieder aktuelle Thema “Kopftuch und Islam” und sagte dazu: “Ein Kopftuch ist nicht nur eine Bekleidung, sondern ein Zeichen der Erniedrigung der Frauen“. Der Islam kenne keine Grenzen, die das Privatleben der Menschen respektiert. “Der Islam ist nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern selbst in den Schlafzimmern anwesend.” Die barbarischen Gesetze dieses Landes sind Ausdruck einer barbarischen Regierung, die sich auf eine barbarische Religion berufe.
In der späteren Diskussion betonte sie, dass die Menschen – völlig unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht – eine säkulare Regierungsform wünschen, die eindeutige Trennung von Staat und Religion; ein Eindruck, den auch ich habe und der von religiösen Führern in Iran inzwischen teilweise ebenfalls vertreten wird.
“Ich bin aus dem Iran rausgegangen, weil ich keine Muslima bin – und werde in Deutschland als solche gesehen, und nur als Muslima.” Dies sei – so Frau Borumand – einer der Hauptgründe für die Gründung des Zentralrates der Ex-Muslime. Nicht mehr “bewertet” zu werden aufgrund seiner Herkunft, sondern einfach als Mensch mit Rechten (und Pflichten) anerkannt zu werden; dies zu vermitteln sei die wichtigste Aufgabe des Vereins.
Sie sprach sich vehement gegen die Einrichtung der Islamkonferenz durch den damaligen Innenminister Schäuble aus – eine Wertung, die ich so nicht ganz nachvollziehen kann. Denn meiner Meinung nach ist zwar richtig, wenn Frau Borumand sagt, dass sie sich dort nicht vertreten fühlt von der sogenannten “islamischen Seite”; aber für mich ist das der Anfang eines Dialoges. Zumal auch solche Islamkritiker wie Necla Kelek und Navid Kermani am Tisch saßen. Andererseits ist es sicherlich richtig, wenn sich Nazanin Borumand dagegen wehrt, in der Statistik, die Zahlen über den muslimischen Anteil an der deutschen Bevölkerung aufgrund der Herkunftsländer ermitteln, als solche geführt zu werden. Das wäre so, als würden alle deutschstämmigen Bürger als Christen in den Statistiken erscheinen.
Zumal – und das unterscheidet die Situation von Deutschstämmigen und “muslimischen Zuwanderern” – werden diese bedroht, unter Druck gesetzt und nicht nur verbal attackiert – Syran Ates ist das derzeit wohl aktuellste Beispiel. Wer aus einer der christlichen Kirchen austritt und dies öffentlich macht, muss nicht damit rechnen, körperlich bedroht zu werden. Das ist jedoch anders, wenn man dem Islam abschwört. Das bringt die engsten Verwandten, “das Haus, die Stadt, das ganze Land” gegen einen auf.
Deshalb, so Frau Borumand, kämpfe der Zentralrat für die Anerkennung der Menschen aufgrund universeller Menschenrechte – und nicht aufgrund unterstellter Religionsangehörigkeit.
Sie vertrat allerdings auch die Meinung, dass sich die deutsche Gesellschaft “islamisiere”; ein Eindruck, den ich so nicht gelten lasse. Denn zwischen medialer Wahrnehmung und objektivem Erleben besteht – gerade in dieser Problematik – meiner Meinung nach ein großes Missverhältnis. Ich erinnere nur an die lautstarken Äußerungen eines Herren Sarrazin oder eines Herrn M. Broder: viel Geschrei um eine Sache macht diese nicht wichtiger als sie ist. Es ist richtig, dass Deutschland seit Jahrzehnten versäumte, eine ehrliche Integration voranzutreiben; Seyran Ates hat das in ihrem Buch über den Multikulti-Irrtum hervorragend beschrieben. Aber ich sehe in den Gesprächen der deutschen Regierung und einigen islamischen Verbänden einen Anfang; nicht das Ende eines Kulturaustausches.
Im Zusammenhang mit der Forderung der Ex-Muslime, ein generelles Kopftuchverbot an deutschen Schulen zu fordern (also nicht nur für Lehrerinnen, sondern auch für Schülerinnen) und einer Kampagne gegen den Islamunterricht an den Schulen kam es zu einer Diskussion, in der sich die Anwesenden letztlich einig wurden, dass es nicht nur darum geht, den Islam aus den Schulen zu verbannen; sondern dies eben für alle Religionen zu gelten habe – eine Haltung, die mir tatsächlich sympathischer ist. Denn ich verweigere mich, den Islam zu verdammen und aber das Christentum (oder jede andere Religion) mit anderem Maß zu messen.
Fazit:
Ein anregender Abend mit einer sehr guten Rednerin und gespannt lauschenden Zuhörern (und Diskutierenden). Ich wünsche mir, dass die EHBB mehr solcher Veranstaltungen organisieren.

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Wo man Menschenrechtsverletzungen zuläßt, nur weil sie religiös “begründet” werden, da wird Toleranz zur Tollerei.
Auch ich war begeistert von dem Vortrag, der so offen und ehrlich war. Beeindruckend für mich auch die Erklärungen, warum Nazarin keine Luft mehr bekommen hat. Die Angst, die sie hatte, als sie von Sittenwächtern besprüht wurde und die Erleichterung, als sie festgestellt hat dass es nicht wie oft üblich Säure, sondern “nur” Tinte war, kam für mich voll nachfühlbar rüber.
In mancher Hinsicht bin ich aber nicht deiner Meinung. Wenn man unter Islamisierung versteht, dass der Islam immer mehr Einfluss gewinnt, halte ich ihre Bewertung, die deutsche Gesellschaft würde immer mehr islamisiert, für zutreffen. Als Beispiel sei nur der islamische Religionsunterricht genannt.
Das war auch einer der Hauptfolgen der Islamkonferenz, die Nazanin Borumand als falsch hingestellt hat. Auch hier gehe ich mit ihr konform. Denn sie hat ja nicht kritisiert, dass der deutsche Staat seine Einwanderungspolitik ändert und mehr für Eingliederung tun will. Sie hat kritisiert, dass er das über die Islamkonferenz in aller erster Linie mit religiösen Gruppierungen tut. Völlig zu Recht. Wer säkular ist, kann es unmöglich gut finden, wenn gesellschaftliche Problem über religiöse Organisationen geregelt werden. Religion ist Privatsache. Der Staat sollte mit religiösen Organsiationen also nur darüber reden, wie es möglich ist, diese Religion im Rahmen der klaren Oberhoheit staatlicher Gesetzgebung ohne jede religiösen Sonderregelungen auszuüben.
Für alle anderen Fragen wären entweder die Parteien oder gesellschaftliche Organisationen und Initiativen, die ggf. entsprechend aufgebaut und unterstützt werden sollten, Ansprechpartner. Warum wird nicht z.B. eine Einwandererkonferenz ins Leben gerufen?
Deinem Fazit stimme ich wieder ungeteilt zu.
Da bin ich fast dankbar, das Mina diesmal nicht konnte, denn das lässt sich ja nachholen.
Deine Einwände sind nachdenkenswert. Danke.
Und vielleicht bin ich etwas zu vorsichtig. Oder zu gutgläubig
Wenn ich dagegen polemisiere, dass die Islam-Konferenz nicht nur negativ zu bewerten ist, sondern auch als der (wie auch immer funktionierende) Versuch gewertet werden kann, in einen Dialog zu treten; dass die Bundesrepublik Deutschland sich nach 40 Jahren Augenschließen endlich mal dazu bequemt, zu erkennen, dass es hier Handlungsbedarf gibt; dann vertreten ich damit vor allem auch die Haltung eines Navid Kermani.
Es gibt ganz sicher genau das daran zu kritisieren, was sowohl Frau Borumand als auch Du angemerkt haben: die Vertreter der sog. islamischen Seite vertreten absolut nicht die Mehrheit der Muslime in Deutschland; und noch viel weniger die Interessen derer, die aus sog. “muslimischen Ländern” stammen und sich dieser Religion aber nicht zugehörig fühlen. Für diese Menschen gibt es tatsächlich keine Lobby.
Ich sehe trotzdem keine Islamisierung Deutschlands oder Europas. Ich sehe, dass der Islam Teil der europäischen Kultur wird und ist. Ich sehe, dass dieser Religion mit Argwohn begegnet wird. Und ich sehe, dass sie nicht besser oder schlechter ist als die christliche.
Deshalb ja auch meine abschließenden Worte: “ich verweigere mich, den Islam zu verdammen und aber das Christentum (oder jede andere Religion) mit anderem Maß zu messen.”
Wer Nazanin erlebt hat, konnte wohl nur Sympathie empfinden für diese engagierte Frau und ihre kritische Sicht auf den Islam besser verstehen.
In einem persönlichen Gespräch nach der Veranstaltung wurde deutlich, dass sie sich vor allem nicht mit der immanenten Frauenfeindlichkeit des Islam abzufínden bereit ist und darin auch die Hauptdifferenz zu anderen Religionsgemeinschaften sieht.
Das leuchtete mir ein.
Auch die Frage, warum die wachsende Zahl von Konfessionslosen in unserer Gesellschaft – wie sie sagte – keine Lobby habe, beschäftigt sie.
Wir einigten uns zur Erklärung dieser Tatsache – resignierend fast – auf die Vermutung, dass, wer sich frei fühlt, eben des organisierten Widerstandes gegen Bedrückung nicht bedarf. Er profitiert von den Kämpfen der Vergangenheit.
Mir fiel im Nachhinein der Biermannspruch ein: “Was verboten ist, das macht uns grade scharf.” Engagement für jene, die – wovon auch immer – bedrückt werden und auf Solidarität angewiesen sind, scheint nicht betroffene Mehrheiten zu überfordern.
Renate
Da haben wir halt unterschiedliche Wahrnehmung. Ich empfinde weder Burkas auf den Straßen, halal Lebensmittel in den Discountern, Islamunterricht in den Schulen, Schariagerichte parallel zur Rechtssprechung, “Friedensrichter” als Partner der Polizei, Moscheen, Minarette, Gebetsrufe usw. als Teil der europäischen Kultur und ich hoffe sehr, sie werden es niemals werden.
Natürlich hast du Recht, außer meiner Religionn ist jede verdammenswert.
Du wirst doch aber mit deinem Statement nicht sagen wollen, alle Relgionen sind gleich?
Im Namen keiner Relgion werden weltweit so viele Verbrechen, Massaker, Attentate vollbracht wie in dem des Islam. In keiner Religion wird die Unterordnung des Staates so gefordert und vollzogen wie im Islam. Im Bereich keiner Religion haben sich verabscheuungswürdige Riten und Traditionen so gehalte wie in dem des Islam.
Und das soll alles Zufall sein? Das soll nicht auch seine Begründung in der Religion selbst haben?
Das wäre Religionsrelativismus. Der Islam ist für mich klar die gewaltbereiteste Religion in Deutschland und weltweit. Dem gilt es ganz entschieden entgegen zu treten.
Den Islam als Kulturbereicherung zu empfinden gehört für mich ganz klar nicht dazu. Im Gegenteil.
Eine Frage: hast Du tatsächlich in live schon einmal eine Burka-Trägerin gesehen?
Ich halte halal-Lebensmittel nicht für problematisch (allerdings “geschächtetes” Fleisch – aber aus anderen, nicht aus religiösen Gründen); auch wenn ich Islamunterricht nicht begrüße: aber was gibt uns das Recht, einen evangelischen und katholischen Religionsunterricht zuzulassen; einen islamischen jedoch nicht? Hier wehre ich mich gegen die Ungleichbehandlung. Wenn Religionsunterricht an den Schulen zulässig ist, dann (leider) auch für jede Religion. Das ist grundgesetzlich verankert.
Weshalb ist das so schwer zu verstehen, was es bedeutet: gleiches Recht für alle?
Bitte… bitte denke nicht nur an die heutige Zeit. Und wenn es Dir besser geht mit Zahlen… dann rechne Dir meinetwegen mal aus, wie viele Opfer die Christianisierung der Welt gekostet hat. Man darf – wenn man diese Rechnung wie Du aufmacht – nicht vergessen, dass auch das Christentum keinesfalls die friedliche Religion ist, für die sie sich selbst hält.
Recht hast Du, wenn Du nur die letzten Jahre betrachtest. Aber kann man das, wenn man ehrlich ist?
Religionen sind an sich lebensfeindlich; gesellschaftsfeindlich, menschenfeindlich! Da nehmen sie sich alle nichts.
Das ist einfach falsch. So stellt sich uns (vor allem medial) der politische Islam dar. Doch so wenig wie das Christentum einzig aus Kreuzzüglern besteht, ist der Islam per se politisch. Im Gegenteil wird gerad diese Politisierung von islamischen Denkern wie z.B. Meddeb sehr in Frage gestellt und kritisiert.
Wie Frau Borumand schon sagte: das iranische Volk (besser: die Bevölkerung des Iran) möchte die Trennung von Religion und Staat.
Der politische Islam, der diese Unterordnung des Staates und der Gesellschaft unter die Scharia fordert (und, so er die Macht dazu hat: durchsetzt) ist EINE Spielart des Islam (die Wahabiten).
Wo von sprichst Du hier?
Von der Beschneidung? Die ist nicht islamisch (die weibliche zumindest nicht); dieses tatsächlich verabscheuungswürdige Ritual ist vorislamisch.
Die männliche Beschneidung ist ebenfalls älter als der Islam; nämlich schon im jüdischen Glauben verankert.
Was meinst Du?
Es tut mir leid, mein Freund, aber ich muss Dir einfach widersprechen! Du weisst sicher, dass Europa nur dank des Islam zu einer Renaissance kam? Dass das Wissen der Griechen, die Mathematik und die Medizin über den Weg des maurischen Spanien zurück nach Europa fand?
Vieles der orientalischen Literatur, der Kunst insgesamt, hatte und hat großen Einfluss auf die Mitteleuropas. Dies nicht zu sehen und anzuerkennen beweist einen sehr kurzsichtigen Blick auf die Welt.
Jede Kultur ist bereichernd. Also auch die islamische.
Ja. Eine Frage: Was hat das mit dem Thema zu tun?
Nicht das ist schwer zu verstehen. Schwer zu verstehen ist, wieso du als gbs-ler da die Richtung “Religionsunterricht für alle” statt “Keinen Religionsunterricht für Niemand” einschlägst.
Nein, ich habe auch Recht, wenn ich die Vergangenheit mit betrachte. Von den Raubzügen Mohammeds über das Abschlachten der Buddhisten bei der Eroberung Indiens bis hin zu den Grausamkeiten der Herrschaft des Islam in Spanien. Das die Story vom angeblich friedlilchen und goldenen Islamzeitalter dort nur ein Produkt der Romantik und völlig realitätsfremd ist, weißt du ja sicher.
Das iranische Volk ist nicht der Islam. Wenn die die Säkularisierung wollen, ist das kein Nachweis, der Islam selbst wäre säkular angelegt. Um das zu beurteilen müssen die grundlegenden Schriften, vor allem der Koran, gewertet werden. Dort geht es um die Einheit von Religion und Staat.
Was ich auch nie behauptet habe. Lies noch mal genau: Im Bereich keiner Religion haben sich verabscheuungswürdige Riten und Traditionen so gehalten wie in dem des Islam
Wenn sich verabscheuenswürde Traditionen wie Beschneidung, Steinigung als Todesstrafe, Zwangsheiraten, Ehrenmorde die alle nicht religiösen Ursprungs sind, in Ländern, in denen der Islam herrscht, besonders lange gehalten haben, führe ich das mit auf die Religion zurück. Weil die als ganz wesentlicher Teil der dortigen Kultur nun mal für alles mitverantwortlich ist, was dort passiert.
Ich weiß, dass die Muselmanen im Gegensatz zu den Christen altes Wissen nicht verbrannt, sondern genutzt haben. Ich weiß auch, dass dieses Wissen auch uns zu Gute gekommen ist.
Dass der Islam aber gar für die Renaissance verantwortlich sein soll, habe ich noch nie gehört und bestreite das auch. Vor allem verstehe ich nicht, mein Guter, warum das alles ein Indiz für eine Kulturbereicherung durch den Islam sein soll? Du schreibst es selbst: Es war kein Wissen des Islam. All das, was islamische Herrscher und Gelehrte wussten, war nicht selbst erarbeitet, sondern von eroberten Völkern geklaut. Bis hin zu den “arabischen” Zahlen, die aus Indien kamen.
Diesen Kulturrelativismus halte ich für die Ursache viele Probleme, die wir hier mit dem Islam und seinen Anhängern haben.
Mein Lieber,
aber einiges muss ich doch noch sagen:
ich mag das nun nicht zu einem Streitgespräch ausufern lassen
- ich spreche mitnichten pro Religionsunterricht! ich spreche dagegen. Aber solange es christlichen an den Schulen gibt – gedeckt durch das GG – muss der Gleichheitsgrundsatz auch heißen: dann hat der Islam das gleiche Recht wie das Christentum, das Judentum oder die FSM-Anhänger.
- ich glaube, über die Thematik “Kulturrelativismus” müssen wir uns wirklich mal genauer austauschen. (Allerdings nicht hier in den Kommentaren, sondern als Artikel…)
Es ist möglich, dass ich zu liberal bin… und plötzlich dastehe wie der Verteidiger des Islam. Das aber will ich mitnichten sein. So wenig, wie ich irgend eine andere Religion verteidigen möchte…
Bevor wir uns über “Kulturrelativismus” unterhalten: was ist für Dich im genannten Zusammenhang “islamische Kultur”? Nur das, was sich religiös gibt? Oder auch – zum Beispiel – Dinge wie Speisen, Musik, Literatur?
Ich denke, das sollten wir klären. (und das meint auch: sollte ich für mich klären, ehe ich was schreibe): denn ich mache einen Unterschied dazwischen. Das ist mir aber eben erst klar geworden.
Für mich ist Kultur grundsätzlich überhaupt nicht auf Religion abstellbar. Kultur verbinde ich mit entweder mit einem Territorium oder mit einem Volk. Religion sehe ich als Teil dieser Kultur. Je größer die Religiosität in dem Volk/ Territorium ist, um so größer halt auch der Anteil der Religion an der Kultur. Aber nie Religion=Kultur.
In so weit gibt es für mich auch keine “islamische Kultur”.
Zur Kultur gehört für mich alles, was sich diesem Territorium oder diesem Volk speziell zuordnen lässt: Sitten, Traditionen, Religion, sämtliche Volkskunst (incl. Kochkunst).
Immer, in jeder Kultur, finden sich aber Sachen, die aus verschiedenen Gründen Ablehnung verdienen. Deshalb halte ich es für Kulturrelativismus zu behaupten, die Übernahme einer Kultur in eine andere wäre grundsätzlich eine Bereicherung. Erst recht ist es Kulturrelativismus, wenn man mit dieser Kultur das Verhalten von Menschen nicht nur begründet, sondern sogar entschuldigt.
Ich selbst habe gerade erst Zitronen gesalzen und eingelegt, weil ich in Berlin keine fertigen bekommen habe. Die brauche ich für die Tajine, die ich mir einschließlich Mehmer zugelegt habe und auch gern verwende. Das ist marokanische Kultur für mich.
Ich koche aber auch gern indisch, ungarisch, italienisch…..
Es gibt also auch in jeder Kultur etwas, was ich als Bereicherung empfinde. Sogar dann, wenn dieses spezielle Teil der Kultur eindeutig auf die Religion zurückzuführen ist, wie die arabische Ornamentik oder die Sufi-Gesänge. Die höre ich mir, genau wie gregorianische Choräle, gern mal an.
Aber die Kultur, die Teile anderer Kulturen übernimmt, muss immer entscheiden welche. Nie darf es dazu kommen, pauschal alles gut zu heißen was im Namen einer Kultur so verzapft wird.
Du widersprichst Dich. Wenn Du einerseits sagst, dass “Kultur grundsätzlich überhaupt nicht auf Religion abstellbar” ist und dann ein paar Sätze später schreibst: “Zur Kultur gehört für mich alles, was sich diesem Territorium oder diesem Volk speziell zuordnen lässt: [...] Religion” – ich nehme mal an (im Kontext mit dem Rest Deines Kommentares), dass es heißen müsste “Kultur grundsätzlich überhaupt nicht NUR auf Religion abstellbar”
Aber das ist nicht so wichtig. Wichtiger ist mir, dass Du den Begriff des Kulturrelativismus – auf meine Aussagen hin – falsch interpretierst; denn z.B. Wikipedia sagt:
“Der Kulturrelativismus betont den Pluralismus der Kulturen und postuliert, dass Kulturen nicht verglichen oder aus dem Blickwinkel einer anderen Kultur bewertet werden können. Bestimmte innerkulturelle Verhaltensformen müssten immer im Licht des dazugehörigen Sozial-, Wertesystems und Kulturverständnisses gesehen werden.” und “In die Kritik ist der Kulturrelativismus geraten, weil er u.a. verlangt, z.B. aus dem islamischen Kulturkreis stammenden Menschen das Recht zuzugestehen, die Menschenrechte nicht beachten zu müssen”.
Das widerspricht genau Deiner Definition als “Übernahme einer Kultur in eine andere wäre grundsätzlich eine Bereicherung”.
Und es widerspricht auch meiner Auffassung.
Ich stelle fest: wir meinen Ähnliches, aber die Begriffe verwirren sich.
Denn genau wie Du schreibst, bin auch ich der Auffassung, dass es sehr wohl eine Bereicherung sein kann, wenn man Teile von fremder Kultur aufnimmt; was NICHT heißt, die Kultur in Gänze aufzunehmen; was sogar einschließt, Teile davon grundsätzlich abzulehnen – wie es bei uns sicherlich die Teile betrifft, die allein religiös determiniert sind (wenn man das überhaupt so genau trennen kann).
Das unterschreibe ich doch… wir müssen also gar nicht streiten
Ich empfehle Dir sehr, Dir das Buch “Mörderische Identitäten” von Amin Maalouf einmal anzusehen. Ich lese es gerade und bin wirklich begeistert; weil er gerade dem Kulturrelativismus eine differenzierte Sicht entgegenstellt. Mir sind seine Gedanken sehr nahe – ich werde darüber sicherlich mehr schreiben wenn ich das Buch ausgelesen habe.
Dort fand ich folgendes Zitat:
Tja, manchmal sollte man sich wohl erst mal über den Begriff informieren, über den man spricht. Mein Verständnis von Kulturrelativismus war wohl nicht das übliche.
In so weit war es für mich schon mal von Vorteil, dass wir uns gestritten haben ohne es überhaupt zu müssen. Wieder was dazu gelernt.
Aber vielleicht habe ich einen neuen Streitpunkt:
Das sehe ich völlig anders, schon allein weil, siehe oben, es in jeder Kultur verdammenswerte Sitten gibt. Auch dort beharre ich darauf, nur Teile einer Kultur zu respektieren, nämlich die mit Menschenrechten, Demokratie und Gleichberechtigung zu vereinabernden, alle anderen aber abzulehnen.
Ja, sogar ganz deutlich zu machen das ich die ablehne und niemand meinen Zustimmung oder gar meinen Beifall finden wird, der diese auch im Gastland hochhalten möchte.
Womit ich nun doch wieder behaupte, auch grundsätzlich alles einer Kultur zu respektieren ist Kulturrelativismus.
Na ja, mein Zitat war auch ziemlich aus dem Zusammenhang gerissen, wenn ich das Buch in Gänze rezensiere, wird es deutlicher dass Maalouf absolut nicht die Auffassung vertritt, das alles an jeglicher Kultur übernehmenswert sei. Er verweist gerade auch darauf, dass Akzeptanz an der Stelle endet, an der Auffassungen (kultureller, religiöser oder welcher auch immer) gegen die universellen Menschenrechte verstoßen.
das ist ja auch richtig. Aber so weder von mir noch vom Zitierten gemeint
Du schreibst:
Das hab ich jetzt erst richtig gesehen. Also gibt es für Dich nur eine nationale Kultur? Das hieße aber auch: keine europäische, sondern nur eine französische, deutsche, moldawische und und und… ?
Es gibt – meiner Meinung nach – sowohl eine islamisch (geprägte) als auch zum Beispiel eine christliche (geprägte).
Ich sehe in unseren Ansichten keinen Widerspruch. Natürlich gibt es religiös geprägte Kulturen. Aber eben “geprägte”. Auch in Ländern mit gleicher Religion gibt es die unterschiedlichsten Kulturen. Weshalb für mich klar ist, Religion ist Teil der Kultur und nicht umgekehrt.
Ob die Gruppen oder Regionen so groß gefasst werden können, dass man tatsächlich von einer europäischen Kultur sprechen könnte, bezweifle ich. Da wäre wohl zu untersuchen, ob die kulturellen Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten in den Ländern größer sind.
Nur auf ganz bestimmt Einzelwerte, über die sich eine für ganz Europa gemeinsame Kultur ableiten ließe, z.B. demokratische Werte, abzustellen, halte ich für falsch.
mein Reden …
ich sehe: Diskussionen bringen uns weiter … (das meine ich ganz ernst)
Hallo Bruder Spaghettus,
auch wenn Du da einen Smiley hintergemalt hast: ich finde es arrogant, seine Religion als die einzig richtige darzustellen.
Hallo Peter,
der Bruder ist (folge dem Link!) Jünger des Fliegenden Spaghetti-Monsters. Deshalb darf der das
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Schade, Streitgespräche machen Spaß. Vor allem dann wen man weiß, der andere Streithammel ist einer, der eigentlich auf der gleichen Seite steht und ohne jede persönliche Eitelkeit gut damit umgehen kann.
Na, dann auf zum Kulturrelativismus.
Na gut, dann haue ich Dir noch das eine oder andere Argument um die Ohren
Hast Du das Interview mit Mina Ahadi gelesen? Ich denke, es dürfte Dir gefallen, was sie sagt.
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